Orgel- und
Harmoniumwerkstatt
Thomas Reilich
Aktuelle Projekte

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Um einen vergessenen Schatz zu bergen, suchen wir Kontakt zu Besitzern des Hörügel-Modelles "Maestrale".

Bitte melden Sie sich unter: thomas.reilich@t-online.de. Selbstverständlich wird alles vertraulich behandelt.

aktueller Stand: 09.10.2020

Ich brauche dringend Platz, daher gibt es jetzt viele Saugwind-Harmonien von der Seite "Verkauf-Vermietung / Restaurierungs-Anwärter und andere Kostbarkeiten..." zum Schnäppchenpreis.

Bei Interesse bitte melden!

John Holt, Liverpool, Bj. 1935

Fangen wir von hinten an! Aufgrund des Orgel-Abbaus, blieb für die anderen Instrumente leider nur wenig Zeit. Beim Holt bekam der Rückwandrahmen seine Füllungen.

Die Füllungen sind ringsum gefälzt, und werden durch "Nasen" im Rahmen gehalten.

Falz und Nasen sind so aufeinander abgestimmt, dass man durch Anheben der Füllung, diese aus dem Rahmen entnehmen kann.

re: Die Füllungen sind unterteilt, damit sie nicht zu groß und schwer werden.

Hier liegt der komplette Rahmen mit seinen zwei Steck-Füllungen.

Nebenzu liefen noch die ersten Beizversuche. Dieses Stück wurde 3 Tage mit Ammoniak-lösung "geräuchert". Leider bringt dies nur einen Teil der Lösung, denn das Holz muss viel dunkler werden.

Harmonium Estey, Style 2000 "Romanesque", Brattleboro USA, Bj. 1891

li: So sauber sah es hier nur vor 129 Jahren aus!

re: Schwer zu erkennen, aber hier handelt es sich um das Fundamentbrett, welches in seine einzelnen Schichten zerfällt. Feuchtigkeit und das Arbeiten des Holzes, ließen den Leim in weiten Bereichen versagen.

Auch für die Arbeiten am Estey blieb nicht viel Zeit. Als erstes wurden die Tritte mit den Schöpfern verbunden.

In der Mitte war die Leimung noch fest, so mussten nur die beiden Randbereiche neu verleimt werden.

Als nächstes war es an der Zeit, das Werk zu zerlegen.

Die Vox Humana hat nicht ganz Standardmaß, aber aufgrund der zusätzlichen Oktave (6 Oktaven Umfang) wirkt sie winzig.

re: Auch das Scharnierband zeigt Alters-erscheinun-gen. Hier wartet wohl viel Arbeit auf mich.

Staub, Staub, Staub - so weit das Auge reicht!

Die Oktavkoppel hat ihre besten Tage hinter sich. Lose Kapseln, Filz weggefressen....

Ohne Forteklappen, zeigt sich die Wahrheit. 3 Standard-Spiele über 6 üppige Oktaven.

Die Spannung stieg beim Ausziehen der 4'-Zungen - ist er ausgebaut? Ja, er ist ausgebaut bis f'''' (f4), ohne Repetition.

Die winzigen Zungen der letzten Oktave, sind vor lauter Schmutz fast nicht zu erkennen.

re: Wenn ich zwischen-durch etwas Motivation brauche, sehe ich mir diese beiden Instrumente an (Holt + Estey) - und weiter geht's.

Hier liegen alle Zungen und warten auf die Reinigung.

Das Werk ist schon recht handlich, aber es muss noch weiter demontiert werden.

Schröding, Orgel von J. Müller, Tuntenhausen, Bj. 1869

Die Hauptarbeit drehte sich in den vergangenen Tagen um die Schrödinger Orgel, welche in den nächsten Monaten restauriert wird. Das Bild li ist bekannt, so startete ich am Montag zur Demontage.

Die Orgel von 1869 hat 8 Register und ist rein mechanisch. Zuletzt war sie beinahe unspielbar, da einige Registerzüge klemmten.

Vermutlich wurde in den 1960ern das letzte mal Hand an diese Orgel gelegt, wie die dicke Staubschicht eindrücklich beweist.

li: Die Holzpfeifen sind original, von den Metallpfeifen sind dies nur noch Teile des Principal 8' und Octav 4'. Mixtur und Schwiegel stammen aus den 1960ern.

re: Ohne Pfeifen ist es nur noch ein hübscher Kasten. Die Rückwand trieb mir den Schweiß auf die Stirn, denn jederzeit hätte hier eine Füllung herabstürzen können.

re: Alles muss raus!

Da die Orgel statische Probleme hat, musste sie komplett abgebaut werden.

Beim Abbau half mir ein Kollege. Allein wäre das nich zu bewältigen gewesen.

re: Auch hier wurde in den 60er gearbeitet. Windlade und Stöcke wurden mit Liegelind-Ringen ausgestattet.

re: Ohne Gehäuse-aufbau, lag die Windlade nun frei vor uns.

li: Bevor es an den Ausbau der Windlade ging, musste die Traktur entnommen werden.

Auch der Spieltisch wurde nun von der Orgel getrennt.

So hatten wir nun freie Bahn für den Ausbau der Lade.

re: Mit dem Aufzug ging es dann hinunter ins "Zwischen-lager".

Schwerer als gedacht! Das "kleine" Lädchen hat einen massiven Eiche-Rahmen, welcher unsere ganze Kraft forderte.

Bevor die Orgel zu mir in die Werkstatt kommt, wird sie in einer anderen Kirche eingelagert, wo eine Begasung gegen Holzwurmbefall erfolgt.

li: Am Ende der Arbeiten, war von der Orgel nur noch das Motorkabel übrig.

Die Prospektpfeifen lagen noch einen Tag länger in der Kirche, bevor sie in die Werkstatt kamen.

Musikalisch untermahlt nun dieses hübsche Trayser den Gesang. Sicher keine Domorgel, aber für die Liedbegleitung allemal ausreichend, vorallem in Corona-Zeiten.

li: Hier ein Blick in den Anhänger, welcher mit gut einer Tonne Orgel gefüllt war.

Diese Tonne musste nun Stück für Stück (oder kg für kg) an der anderen Kirche wieder ausgeladen werden, diesmal ohne Unterstützung.

Dank "Wagerl" waren aber auch die großen Trümmer wie Gehäusekranz (Bild li) und Windlade, kein Problem.

re: Die Prospekt-pfeifen zieren nun eine Flanke meines Werkstatt-Büros.

Sauber aufgeschlichtet, warten die Teile nun auf den Einsatz des Schädlingsbekämpfers.

Die Metallpfeifen kamen unterdesse gleich in die Werkstatt, hier ist ja kein Wurm zu befürchten.