aktueller Stand: 01.05.2026

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Trayser, Stuttgart, Bj.1868

Beim Trayser standen nun die finalen Arbeiten an. Einige Zungen mussten nochmals kontrolliert und nachgestimmt werden.

Im Zuge des Verfahrens wurde der Tastenfall des Obermanuals noch leicht erhöht, was sich beim Spielen angenehm bemerkbar macht.

Nun war eigentlich alles fertig, aber irgend etwas fehlte noch ...

Richtig! Für ein genussvolles Harmoniumspiel, ist ein passender Hocker unerlässlich. Zum Glück hatte ich einen im Fundus.

Der Hocker hatte keine größeren Schäden, lediglich eine Reinigung und Oberflächenbehandlung nötig.

Zusammen mit dem Instrument, sieht das Ensemble nun wie aus einem Guss aus.

Im Alter von 158 Jahren, steht dieses Instrument nun für die Vermietung zur Verfügung. Allein die jüngere Geschichte ist recht bewegt. 2014 aus einem Irish-Pub gekauft, 2015 umfassend restauriert (Bericht hier), Tonhöhe 453 Hz. Ab 2017 in der örtlichen Kapelle eingesetzt, wo 2025 die Mäuse die Balganlage zerfaßen. 2026 Reparatur und Überarbeitung, Absenkung der Stimmtobhöhe auf 443 Hz.

Harmonium "Ph. Trayser"

Das ca. 1868 in Stuttgart gefertigte Druckwind-Harmonium zeichnet sich durch seine weichen, aber auch kräftigen und zeichnenden Stimmen aus.

Dispsition Untermanual (I), Obermanual (II), C - c'''', Teilung e'/f':

F Forte, S Sourdine (II), 5 Voix celeste (I), 4 Basson (II), 3 Clairon (II), 2 Bourdon (I), 1 Cor Anglais (I), P Percussion (I)

DE Double Expression (Sys. Trayser), G Grand Jeu, M Manual Koppel, E Expression

P Perkussion (I), 1 Flute (I), 2 Clarinette (I), 3 Flageolet (II), 4 Hautbois (II), 5 Voix celeste (I), T Tremblant (II), F Forte

Kniehebel: (li) Double Expression/Forte, (re) Grand Jeu

Die "5 Voix celeste" ist eine durchgehende 8'-Schwebung zur 1.

Stimmung: 443 Hz

J. Titz, Löwenberg, Bj.1906

Da die Arbeiten am Trayser recht umfangreich waren und auch noch weitere Aufgaben anstanden (siehe unten), ist der Fortschritt am Titz diesmal nicht allzu groß.

Die neuen Schöpfbälge waren ja schon "bebändert", nun standen die Lederzwickel auf dem Plan.

Nach dem Ermitteln der richtigen Passform, wurden die Teile Stück für Stück eingeleimt.

Anfertigung von Ersatzteilen

Die "weiteren Aufgaben" betrafen die Anfertigung diverser Ersatzteile für ein Mustel-Harmonium. Als erstes mussten neue Profilleisten hergestellt werden. Von den vorhandenen Fragmenten wurden Profilfotos erstellt, ...

... mit welchen dann im 3D-Programm die Profile gezeichet wurden (Bild links). Anschließend wurden passende Frässtrategieen entwickelt ...

... und dann zu Maschinen-Code (sog. G-Code) verarbeitet.

Hier liegen die benötigten Werkzeuge. Links liegt ein 3mm-Schaftfräser, welcher die umlaufenden Konturen (Kanten) fräst. Dann folgt ein 5mm-Kugelkopf, welcher für die grobe Form verwendet wird. Die exakte Form wird mit einem 2mm-Kugelkopf herausgearbeitet. Ganz rechts liegt ein 0,8mm-Kugelkopf, welcher bei "scharfen" Innenkanten zum Einsatz kommt.

Erst jetzt kommt Holz zum Einsatz. Übrigens ist Nussbaum Inzwischen so teuer, dass dieses 4m lange Brett rund 250,- € kostet. Zum Glück brauchte ich nur ca. 1,4m davon.

Nach dem Einrichten der Maschine, dem Aufspannen des Materials und dem Einlesen des G-Code, konnte es losgehen.

Das Ergebnis sind wirklich passgenaue Kopien.

Bis alle Profile fertig gefräst waren, lief die CNC-Fräse rund 16 Stunden (reine Bearbeitungszeit!).

Die zweite Herausfoderung bestand in der Anfertigung eines neuen Deckelscharnieres, bzw. jeweils eines Teiles davon.

Mit viel Hitze und Muskelkraft wurde das glatte 1,5mm Messingblech zu Scharnieren "gefaltet" (Bild links) und anschließend sauber an die Altteile angepasst.

Nach 24 Stunden in der Poliertrommel, ließen die Neuteile keine wünsche mehr offen.

Dank dieser Ersatzteile, kann das Mustel nun wieder in einen würdigen Zustand zurückversetzt werden.

Gut verpackt, ging dann alles auf die Reise.