Orgel- und
Harmoniumwerkstatt
Thomas Reilich
Aktuelle Projekte

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Um einen vergessenen Schatz zu bergen, suchen wir Kontakt zu Besitzern des Hörügel-Modelles "Maestrale".

Bitte melden Sie sich unter: thomas.reilich@t-online.de. Selbstverständlich wird alles vertraulich behandelt.

aktueller Stand: 15.09.2018

Der Sommerurlaub ist Geschichte, nun geht es wieder rund!

Ch. Dietz, Paris 1833

li: Anhand der originalen Markierungen (geritzt), konnten die Ventile einwandfrei positioniert und eingeleimt werden. Um die Feder wieder in ihr altes Loch stecken zu können, erhielten alle Ventilfähnchen ein kleines Loch.

re: Die Ventilfedern sind alle etwas aus der Mitte gesetzt, um den Trakturfaden nicht zu behindern.

Die Dietz-Ventile hatten vor dem Urlaub noch ihre neuen Trakturfäden bekommen, nun erhielten sie einen neuen Ventilbelag aus feinstem Schafleder.

Nachdem alle Ventilfedern gesetzt waren, wurden die Fäden durch das Beutelbrett (Begriff aus dem Orgelbau) gezogen.

Da die Fadenstärke nur wenig geringer ist als der Lochdurchmesser, ist das Einfädeln eine fummelige und nervenaufreibende Sache.

Hier ist das Beutelbrett schon auf den Ventilkasten geschraubt. Über die halbrunde Messingleiste, laufen die Fäden zur Klaviatur.

re: Nachdem die Funktion wieder hergestellt war, konnte die Stimmung der "neuen" Zungen erfolgen.

Die Nervenprüfung mit den Fäden war bestanden, da folgte gleich die nächste. Zwei der drei defekten Zungen mussten ersetzt werden. Wie immer handelt es sich um hohe Diskantzungen, hier a'' und b''.

Die Rohlinge stammen von einer Druckluft-Zungenplatte und wurden entsprechend angepasst. Da diese Zungen mit einem sehr geringen Druck arbeiten, müssen sie entsprechend dünn sein. An der dicksten Stelle (Zungenwurzel) messen die Blätter gerade einmal 0,3 mm, nach vorne abnehmend.

Auf der dem Wind abgewandten Seite der Zungeplatte, ist der Resonatorkasten montiert.

Mit dieser Seite wird die Platte auf dem Ventilkasten befestigt. Die Zungen sitzen unmittelbar über den Ventilen.

Der Ventilkasten mit montierter Zungenplatte und Resonatorkasten. Obenauf fehlt noch der Klaviaturrahmen.

Nach kleineren Vorbereitungen, war das Gehäuse bereit zur Aufnahme der Werkes.

Über einen kleinen Messingstutzen gelangt der Wind vom Balg in den Ventilkasten, welcher nur lose aufliegt.

Die Gehäuseklappe dient dem Zugang zu Werk und Balg, fungiert aber gleichzeitig als "Forte".

Bild li: Hier sieht man die Tastenenden mit ihren Bleigewichten, welche die Tasten wieder in 0-Stellung bringen. Leider sind einige der Gewichte stark oxidiert (Bleiweiß, leider giftig), wodurch das Blei die Holztaste gesprengt hat. Dieser Schaden trat schon vor langer Zeit auf und wurde auch schon so gut wie möglich repariert. Der Zustand wird so belassen. Das Bleiweiß wurde vorsichtig mit der Messingbürste entfernt und die Tastenenden mit einer schützenden Schicht Warmleim überzogen.

Bild mi + re: Nach der Reinigung und Politur der Klaviatur, wurden die Anschlagfilze erneuert und die Tasten am Waagstift neu ausgerichtet.

John Holt, Liverpool, Bj. 1935

Beim Holt ging es mit dem Boden weiter. Im Bild sieht man die alten und neuen Rollen, auf welchen das Gewicht des Instrumentes lastet.

Die Bruchstelle im Boden wurde großzügig ausgefräst und ausgespant.

So ist die Achse nun wieder gut abgestützt und kann ihre Kraft auf das Ständerwerk übertragen.

Nach einer oberflächlichen Reinigung, wurden die Pedalwippen von ihrer alten Befilzung befreit.

Während die Wippen trockneten, kam das Ständerwerk der Pedallade zur Reinigung.

Für die Reinigung wurde alles demontiert, die Schrauben durchliefen das Ultraschallbad. Angesichts der lockeren Verschraubungen verwundert es fast, dass das Instrument noch "so" stabil stand.

An der Führung der Pedalwippen wurden die Stifte poliert und die Filze erneuert.

Mit den sauberen und wieder fest angezogenen Schrauben, konnte das Ständerwerk wieder montiert werden.

Alle Teile dieses Instrumentes sind mit einem sehr zähen Schmutzfilm überzogen, welcher nur mit hohem Aufwand entfernt werden kann. Hier sieht man die Pedalwippen nach der "Intensivreinigung".

Saugwind-Harmonium Müller, Werdau, Bj. ca. 1910

Beim Müller ging es mit den Balgplatten weiter. Zuerst wurden die Scharnierleder aufgeleimt und dann die Flächen papiert.

Nun folgte das Zusammenhängen der Platten, welches Azubi Jonas nun erstmals übernahm. Er hat mittlerweile das 3. Lehrjahr erreicht.

Hier sieht man gut die wechselseitige Verzahnung der Scharnierstreifen aus Kalbleder.

Nachdem die Fanggurte angebracht und die Federn eingesetzt waren, konnte der Neubezug des Magazinbalges starten.

Mit fertigem Magazin, ging es nun an die Schöpfbälge.

Zuerst wurden die Fangventile erneuert.

li: Nun begann die Vorbereitung der neuen Schöpfer-bespannung. Die Balg-geometrie wurde aufgezeichnet und die originalen Kartonfalten entsprechend ausgerichtet und aufgeleimt.

Gestartet wird auch hier mit der Fixierung der Bespannung an der beweglichen Balgplatte.

Erst dann werden nach und nach die restlichen Verleimungen getätigt.

Nach dem Abschneiden der Überstände ist die neue Bespannung soweit fertig. Nächste Woche folgen die Restarbeiten.