Orgel- und
Harmoniumwerkstatt
Thomas Reilich
Aktuelle Projekte

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Um einen vergessenen Schatz zu bergen, suchen wir Kontakt zu Besitzern des Hörügel-Modelles "Maestrale".

Bitte melden Sie sich unter: thomas.reilich@t-online.de. Selbstverständlich wird alles vertraulich behandelt.

!!! Wir machen Betriebsurlaub vom 13. bis 31.08. !!!

Was in den letzten vier Wochen alles geschah!

Ch. Dietz, Paris 1833

Erst diese Woche war die lange Suche nach einem passenden Faden zur Anhängung der Ventile endlich erfolgreich. Die Vorgaben: Leinen, D = 0,6mm.

Zunächst wurde die Scharnierung vorbereitet.

Nun kam der Faden ins Ventil. Er hält dank einem Knoten und einem Tropfen Warmleim.

Nachdem ich im Nähgeschäft, im Stoffladen, beim Schuster, Polsterer und Orthopädieschuhmacher nichts fand, wurde ich durch einen Freund nun beim Metzger (!) fündig. Kein Witz - beim diesem Faden handelt es sich um sog. Wurstgarn, welches zum Abbinden der Därme verwendet wird.

John Holt, Liverpool, Bj. 1935

Beim Holt ging es nun mit der Reinigung los. Zunächst musste der Pedalboden vollends zerlegt werden.

Hier sieht man gut den Zustand vor und nach der Reinigung.

Da die Schrauben eh alle locker waren, wurde auch der Wippenrahmen demontiert.

li: Der Boden besteht aus drei einzelnen Eichebrettern, welche über Nut-und Feder verbunden sind. In diesen Brettern sind die Räder geachst, auf welchen das gesamte Gewicht lastet.

Für dieses Lager war die Belastung wohl zu hoch. Das Brett ist am Rand gerissen und innen schon kräftig verform, obwohl darüber ein kräftiges Querlager sitzt.

Da die alten Rollen schon stark mitgenommen sind, werden nun neue aus Weißbuche angefertigt.

Steinmeyer Druckwindharmonium, Service

Die Arbeiten am Steinmeyer konnten mittlerweile abgeschlossen werden. Hier sieht man noch Jonas bei der Pflege des Balgleders.

Das originale Leder musste nur an wenigen kleinen Stellen geflickt werden, bevor es mit Lederbalsam eingerieben wurde.

Danach konnte der Balg wieder ins Gehäuse gesetzt und die Lade montiert werden.

li: Der Klaviatur-rahmen erhielt neue Filzpolster und die Ventile neue Lederscheib-chen am Angriff.

re: Die anschließende Stimmung erfolgte in vorhandener Tonhöhe, hier 438,7 Hz.

Nun war technisch alles soweit fertig.

Nach dieser Maßnahme wird das Instrument wieder für viele Jahre treu seinen Dienst tun.

Erbauer: Orgelbau Steinmeyer, Öttingen, Bj. ca. 1900

System: Druckwind

Disposition (C - c'''):

Forte

Expression

Forte

Saugwind-Harmonium Müller, Werdau, Bj. ca. 1910

Nachdem die Arbeiten am Steinmeyer abgeschlossen waren, widmete sich Jonas bereits einem neuen Projekt. Es handelt sich um ein Saugwind-Harmonium von E. Müller, Werdau, welches sich seit langem in Familienbesitz befindet und nun restauriert werden soll.

Wie man an den Bildern unschwer erkennen kann, ist der Zustand desatrös. Hier wartet eine spannenden Aufgabe auf uns.

Von den ursprünglich 11 mm Tastengang, ist nur noch wenig übrig.

re: Sieht (noch) nicht wirklich hübsch aus, das leere Gehäuse.

Nachdem die ersten, stark verrosteten Schrauben gelöst waren, konnte das Instrument in seine Bestandteile zerlegt werden.

Die Balganlage wurde leider ans Fundamentbrett geleimt. Die Trennung muss verm. gewaltsam geschehen.

re: Da die Seitenteile des Bodenrah-mens bis über die Hälfte morsch sind, müssen diese ersetzt werden. Die hintere Quer-verbindung fehlt völlig.

Die Kniefüllung wurde schon einmal notdürftig ersetzt.

Der Bodenrahmen "glänzt" teilweise durch Abwesenheit.

li: Hier liegt die Trägerplatte auf Jonas' Werkbank und wird von allerlei Beleimungen befreit. Erst dann kann die Instandsetzung der Holzteile erfolgen.

re: Die losen Balgplatten wurden ebenfalls gereinigt, abgeschliffen und repariert, bevor wieder neue Dichtbänder aufgeleimt werden konnten.

Bevor die Trennung von Fundament- und Trägerplatte erfolgte, wurden die Bälge entfernt.

Druckwind-Harmonium Ph. Trayser, Stuttgart, Bj. 1868

Vorletzte Woche war Besuch in der Werkstatt, welcher sein schönes Trayser in Etappen wieder flott machen möchte.

Nachdem alle Gehäuseteile abgebaut waren, wurde das Werk ausgehoben.

Die Balganlage sah recht übel aus, zumindest die Schöpfer. Auch das Gehäuse trug massive Schäden (Feuchtigkeit) vom letzte Standort davon.

li: Beim Ausbau des Balges bestätigte sich der schlechte Zustand der Schöpfer. Auch die Balgplatten müssen ersetzt werden. Der Magazinbalg ist noch gut in Schuss.

re: Nach dem Ausbau der verrosteten Mechanik, konnte die Abdeckung des Expressionsventils gelöst werden. Nach der Reinigung dieses Bereichs, wurden die Fangventile erneuert.

Hier ein Blick auf die Trayser'sche Doppel-Expression. Der linke Kniehebel betätigt zwei Einlassventile (für den Wind) UND die Forteklappen - desswegen DOPPEL-Expr.

li: Die Demontage des Instrumentes und die Reinigung der Einzelteile erledigte der Eigner selbst. Wo nötig, stand ich natürlich mit Rat und Tat zur Seite.

re: Dieses Bild könnte er nicht live sehen, denn als die Griffe aus der Poliertrommel kamen, war er schon wieder zuhause (viele Grüße).

Um die Furnierschäden am Gehäuse kümmerte ich mich selbst. Das Sockelfurnier wurde über weite Bereiche schon einmal mit Weißleim "angeklebt". Dank meiner Erfahrung und der Geduld des Eigners bei der Reinigung, konnte das originale Furnier gerettet werden.

Im Spätherbst geht's wieder weiter, ich freu mich schon!

Orgel-Notfall

re: Die Diagnose war schnell gestellt - die Masse an Staub ließ einzelne Pfeifen nicht mehr ansprechen. Die betroffenen Pfeifen wurden ausgebaut und mit der Reinigung begonnen.

Letztens ereilte mich ein Hilferuf unserer Österreichischen Nachbarn. An dieser Orgel waren gleich mehrere Töne ausgefallen.

Hier sieht man das c° des Salicional 8'. Die durch feuchten Staub zugesetzte Kernspalte verhinderte die Tonbildung.

li: Die Pfeifen der offenen Holzflöte 4' und des Salicional 8' wurden trocken, mit Pinsel, Kompressor und Staubsauger gereinigt, bevor sie oberflächlich gewischt wurden.

re: Die gereinigten Pfeifen wurden wieder eingesetzt und beigestimmt. Zwar konnten wir an einem Tag alle versagenden Töne beseitigen, eine umfassende Reinigung der Orgel ist aber dringendst nötig.

Harmoniumhocker

re: Die Montage im "Rohbau" erspart Überraschun-gen und erleichtert dem Kunden die Endmon-tage.

Nach längerer Zeit wurde wieder einmal ein Hocker "Modell 2" angefragt, also machte ich mich an den Zuschnitt des Materials (Eiche).

Nach dem Verleimen und Aushobeln der Bretter, wurden die Seiten mit der Stichsäge und Fräse in Form gebracht.

li: Drei Grundier- und drei Politur-durchgänge später, zeigt der Hocker die gewünschte Oberfläche.

Nachdem alles wieder zerlegt war, konnte mit der Farbgebung begonnen werden. Schleifen, Wässern, Schleifen, Beizen, Ölen - so ist die Reihenfolge der Arbeitsschritte vor dem Schellack.

Ein zugesandter Kniehebel diente uns als Farb- und Oberflächenmuster.

!!! Wir machen Betriebsurlaub vom 13. bis 31.08. !!!

Die nächste Aktualisierung erfolgt also erst in fünf Wochen!