Orgel- und
Harmoniumwerkstatt
Thomas Reilich
Landshut:
Pedalharmonium Steinmeyer, Öttingen, Bj. 1901

Im Juli diesen Jahres konnten die Arbeiten an diesem Schiedmayer abgeschlossen, und das Instrument geliefert werden.

Anfang März begann die Demontage des imposanten Instrumentes. Bis dato hatten wir das Instrument nur einmal kurz provisorisch an einen Motor angeschlossen, um einen Klangeindruck zu bekommen.

Der Aufbau ist typisch für 2-manualige Saugwindintrumente. I. Manual unter den Klaviaturen, 2. Manual überkopf darüber.

li: Hier ein Blick auf die Lade des I. Manuals. Links hinten sieht man noch die Pedallade.

re: Nach dem Lösen der ringsum sitzenden Schrauben, lies sich das ganze Werk aus dem Instrument heben.

Nach dem Ausbau der Pedallade, lagen die zwei großen Mutzen der Pedalspiele frei.

li: Nachdem alle Gurte und Verbindungen gelöst waren, war der Ausbau keim Problem mehr. Links neben dem Balg, steht die Lade des II. Manuals.

re: Als das Gehäuse komplett leer war, wurde gründlichst geputzt und anschließend die Oberfläche aufbereitet.

Nun lag der Balg frei zum Ausbau. Die Welle zum Betrieb mittels Pumphebel, komplizierte die Sache ein wenig.

re: Azubi Jonas wurde mit der Beseitigung der alten Bepannung beauftragt. Das alte Gummituch vom Holz zu bekommen, ist selten ein Zucker-schlecken.

Der Balg war reif für eine Erneuerung. Das alte Balgtuch war hart und spröde.

Hier ist schon alles sauber und die Balgplatten wieder scharniert.

Die neue Bespannung wird vorbereitet. Wo es geht, werden die originalen Kartonfalten wieder verwendet.

Nach dem Bezug der Bälge mit dem Tuch, werden mögliche Undichtigkeiten mit Leder abgedeckt (Ecken, Scharniere etc.).

Mit neuen Ventilen und Dichtungen versehen, war der Balg nun bereit für den Einbau.

Zuvor galt es aber noch allerlei Vorbereitungen zu treffen. Neben der Pumpwelle, mussten noch die Koppel- und GJ-Tritte und die Pumppedale überarbeitet werden.

Der groß dimensionierte Magazinbalg, füllt das Gehäuse über die gesamte Breite. Oben rechts im Magazin, sieht man die Öffnung für den Motoranschluss, welche schon vorhanden war.

Als erstes wurden die Gurte der Pumpwelle wieder angehängt. Durch einen raffinierte Mechanismus, werden die Schöpfer bei Betätigung des Hebels in Wechselstellung (einer offen, einer zu) gebracht.

Nach dem Einsetzten des Fundamentbrettes, sieht man von all der Mechanik nichts mehr.

Nun ging es ans Zerlegen der Werke.

Nachdem alles abgebaut war, wurden die Zungen gezogen und gereinigt.

Die alten Zungenfilze wurden entfernt, die Oberfläche gereinigt und ausgebessert.

Zahlreiche Kanzellenschiede waren beschädigt und mussten ergänzt werden.

I. und II. Manual durchliefen die gleichen Arbeitsschritte, schließlich wurden neue Zungenfilze aufgeleimt.

Jonas begann derweil mit der Reinigung der Klaviaturen.

Filze musste entfernt und Stifte entrostet werde.

Nach der Reinigung wurden die Klaviaturbeläge aufpoliert und die Tasten zurück in ihre Rahmen gelegt.

Hier sieht man das Einsetzen der gereinigten Ventile, welche mit Talkum pflegend behandelt wurden.

Auch die Dichtflächen der Mutzen wurden mit Talkum gepflegt. Sämtliche Mutzenscharniere durchliefen das Ultraschallbad für leichtgängige Funktion.

Nach dem Einstecken der sauberen Zungen, konnten die Mutzen aufgesetzt und ausgerichtet werden.

Hier sind wir schon einen "kleinen" Schritt weiter. Sämtliche Mutzen und Forteklappen sind montiert, Teile der Registermechanik und die Oktavkoppel sind an ihrem Platz.

Beim Einsetzten der Klavuiatur, wird immer das seitliche Tastenspiel kontrolliert und eingestellt.

Die Manualkoppel ist hier mittels einschiebbarer Klötzchen bewerkstelligt. Am oberen Manual, kann die Koppel gut reguliert werden.

Die Montage des II. Manuals ist in vollem Gange. Hier sieht man die frisch gereinigten Mutzenbänder.

Jedes Scharnier wird beim Ausbau genau angeschrieben, damit es bei der Montage wieder an die richtige Stelle kommt. Das spart Zeit und Ärger.

Die Bedienung der Mutzen über Litzenbänder, ist manchmal nicht unproblematisch.

Über die manuelle Windversorgung, ließen sich nun erste Töne entlocken.

Jetzt musste die Registermechanik überarbeitet werden.

Sämtliche Wellenlager wurden neu ausgetucht.

Die alten Filzführungn in der Registerblende wurden ausgebohrt (unten) und die Tuchstreifen an den Drückern (oben) erneuert.

Nachdem auch die Filzführungen der Registerzüge wieder installiert waren, konnte alles montiert werden.

Zurück im Instrument, folgte die reichlich komplizierte Anschlussarbeit.

Während ich mit der Registermechanik zugange war, kümmerte sich Jonas um die Überarbeitung der Pedalklaviatur.

li: Wie erwartet, konnte auch hier kein Stein auf dem anderen bleiben.

re: Bevor es an die Tasten ging, musste erst der Rahmen neu verleimt, Fehlteile ersetzt und Filze ausgetauscht werden.

Nachdem alles wieder stabil und leichtgängig war, wurde die Oberfläche überarbeitet und die Montage abgeschlossen.

Nun wurde der Anschluss der neuen Windversorgung vorbereitet. Da Platz (fast) keine Rolle spielte, konnte ein Rollodrossel (1.Wahl) angebaut werden.

Dank funktionierender Windversorgung, konnte nun die Stimmung in Angriff genommen werden. Die hinteren Spiele des I. Manuals sind gut versteckt!

Vorne ist der Zugang etwas besser. Die Spiele des II. Manuals erfordern aber schon wieder mehr Geschicklichkeit.

Die Pedallade wurde gereinigt und div. Filze ausgetauscht. Eine neue Dichtung zum Fundament, sowie der Austausch der Stecherführungen war nötig.

Kurz vor dem Einbau. Die Lade wird im Instrument "eingehakt" und mit drei kleinen Schräubchen fixiert.

Nun konnten auch die Pedalregister gestimmt werden.

Die Pedalklaviatur ist leider nicht einschiebbar, kann aber mit wenigen Handgriffen demontiert werden.

re: Zum Schluss erhielt das Pedal noch eine Beleuchtung.

Nach dieser gründlichen Überarbeitung, wird das Instrument seine neuen Besitzer sicher lange mit seinen warmen, zarten bis kräftigen Klängen verzaubern. Auch optisch ist es ein Hochgenuss.

li: Auch in unserem neuen Lieferwagen, ist der Transport solch großer Instrumente kein Problem.

Erbauer: Schiedmayer Pianofortefabrik, Stuttgart

Baujahr: 1901-3, SNr. 34539

System: Saugwind

Klavaitur: C - c'''', Teilung e'/f', Pedal C - d'

Disposition:

I. Manual

II. Manual

Pedal

Viola 4'

Principal 4'

Pedalbass 16'

Bourdon 16'

Cello 16'

Pedalbass 8'

Dolce 8'

Echo 8'

Forte

Diapason 8'

Gamba 8'

Forte

Forte

Tritte:

Oktavkoppel

Vox Humana

Grand Jeu

Melodia 8'

Seraphone 8'

Manualkoppel

Windversorgung:

Dulciana 8'

Piano 8'

Forte

Motor

Clarinette 16'

Aeoline 16'

Tritte

Flûte 4'

Violetta 4'

Kniehebel: GJ / Forte

Pumphebel